Der Spaziergang heute war genau das, was ich gebraucht habe. Auch wenn es schlussendlich nicht viele Schritte gab und das Vorwärtskommen auf dem hartgetretenen Schnee mühsam war. Aber über der Nebeldecke, seit langem mal wieder die Sonne im Gesicht und der Hund glücklich im Schnee. Donnerstag – kein Mensch weit und breit! Durchatmen und die Ruhe geniessen. 

Bis mein Handy vibrierte. Tante Rös. Klar. Ich habe sie weggedrückt, wie so oft schon. Sie weiss, dass ich zurückrufe, wenn ich kann. Aber sie weiss auch, wie man hartnäckig bleibt.

Als das Handy zum 5. Mal vibrierte, nahm ich ab, immer noch auf dem Winterwanderweg. „Giulia, ich brauche dringend Slipeinlagen. Die lilaen. Und Nagellack. Du weisst ja welchen.“ Ich nickte automatisch, obwohl sie mich nicht sehen konnte.

Tante Rös ist in ihrer eigenen Welt unterwegs. Alles, was von der Norm abweicht, wird gleich zur Katastrophe. Und Martin fragen? Nein, das kommt nicht infrage, weil „der sowieso das falsche bringt“. Man(n) kann es sich auch einfach machen…  

Also versprach ich, dass ich Nachschub besorge. Dabei hatte ich den morgigen Tag eigentlich anders geplant. Tierarzttermin, Wocheneinkauf – aber jetzt muss ich umplanen, die lilaen Slipeinlagen und der richtige Nagellack liegen nicht auf meinem Weg.

Ich versuchte, nicht genervt zu klingen, als ich auflegte. Es ist schliesslich nur ein kleiner Gefallen. Und ich hatte ja versprochen, dass ich helfen will. Aber warum fühlt es sich an, als würde meine Zeit immer zwischen den Fingern zerrinnen, weil ich es jedem recht machen möchte?

Der Hund wälzte sich zufrieden im Schnee. Wenigstens wurde er heute nicht schmutzig. Irgendwie ein kleiner Trost.  

Ich schaute ihm zu und fragte mich: Wann habe ich das letzte Mal etwas für mich gemacht, ohne jemandem einen Gefallen zu tun oder meine Pläne über Bord zu werfen?

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