Hier kommt dein August-Brief von Giulia!
1. August 2026
Du Liebe
War das nicht ein ungewöhnlich stiller 1. August?
Nach den vielen heissen und trockenen Wochen keine Raketen am Himmel, keine Höhenfeuer an den Berghängen und kaum ein Knall, der durch die Nacht hallte. Die Schweiz feierte ihren Geburtstag dieses Jahr deutlich leiser als sonst. Und mir war es mehr als recht.
Statt dem Geknalle hörte man die Grillen zirpen. Irgendwo klirrten Gläser. Aus den Gärten und von den Balkonen waren Stimmen und Gelächter zu hören. Menschen sassen zusammen, assen, tranken und genossen den warmen Sommerabend.
Der Feiertag fand trotzdem statt.
Nur anders. Leiser. Und vielleicht sogar ein bisschen entspannter.
Heute ist Montag. Bald sind die Sommerferien vorbei, die ersten kehren nach Hause zurück. In zwei, drei Wochen fangen die Schulen wieder an und auf den Strassen ist wieder deutlich mehr Betrieb. Die Abwesenheitsmeldungen verschwinden, die Kalender füllen sich und der Alltag meldet sich mit allem zurück, was während der letzten Wochen warten durfte.
Nur der Sommer denkt noch lange nicht ans Aufhören. Die vierte Hitzewelle macht nicht mehr nur uns sondern auch der Natur zu schaffen. Die Wiesen sind braun, es sieht aus wie im Süden.
Die Nächte bringen kaum Abkühlung, die Luft ist schon am Morgen warm und selbst kleine Aufgaben fühlen sich manchmal anstrengender an, als sie eigentlich sind.
Inzwischen habe ich mich an die Hitze gewöhnt. Ich weiss, wann ich morgens die Fenster schliessen muss. Welche Arbeiten besser bis zum Abend warten. Wo im Haus es am kühlsten ist und wie wenig es manchmal braucht, damit ein heisser Tag trotzdem angenehm wird.
Man passt sich an.
Man wird langsamer, verlegt Termine, trinkt mehr, sucht den Schatten und stellt fest, dass manches eben auch bis morgen warten kann.
Und dennoch freue ich mich auf den Herbst.
Auf eine Sonne, die wärmt, ohne zu knallen. Auf kühlere Nächte, in denen man wieder richtig durchschlafen kann. Auf Morgenluft, die frisch durchs offene Fenster strömt. Und auf mehr Grün draussen – auf Wiesen, Gärten und Wälder, die sich nach all der Trockenheit langsam wieder erholen dürfen.
Vielleicht ist das kein Widerspruch.
Wir können den Sommer noch geniessen und uns gleichzeitig auf das freuen, was danach kommt. Wir können dankbar sein für warme Abende, reife Früchte und das Leben draussen – und trotzdem genug haben von der Hitze.
Und vielleicht müssen wir auch nicht mit einem Knall in den Alltag zurückkehren.
Nur weil die Sommerferien bald vorbei sind, muss nicht vom ersten Tag an alles wieder auf Hochtouren laufen. Ich werde nicht sofort alle Routinen wieder aufnehmen, sämtliche liegen gebliebenen Aufgaben erledigen und schon wieder überall gleichzeitig sein. Das habe ich mir fest vorgenommen.
Mein Körper steckt noch mitten im Hochsommer. Er hat warme Nächte hinter sich und versucht, mit seiner Energie zu haushalten. Er speichert viel Wasser und er braucht vielleicht etwas länger, bis er wieder in seinem gewohnten Rhythmus angekommen ist.
Der stille 1. August hat uns gezeigt, dass ein Fest nicht laut sein muss, um besonders zu sein. Ohne Feuerwerk. Ohne Knall.
Und genau so darf der Alltag zurückkommen. Ohne den Anspruch, sofort wieder auf voller Leistung zu funktionieren.
Ich werde den letzten Sommer-Monat auf jeden Fall noch geniessen, in vollen Zügen!
Herzlich
Giulia