Der Sommer ist vorbei – endlich! Und mit Pauken und Trompeten hat er sich verabschiedet: Schon zweieinhalb Wochen ist der Hagelsturm jetzt her. Wahnsinn! Hier ist Gott sei Dank nichts passiert. Aber bei Rös.
Am Samstagmorgen war im Familienchat eine Nachricht von ihr:
„Der Garten sieht furchtbar aus!!!!!!!! 😱😡💩 😡“
Punkt. Mehr nicht. Typisch.
Von den anderen kamen ein paar Emojis. Mehr nicht. Typisch.
Und ich?
Ich wusste natürlich sofort, was zu tun ist.
Dachte ich jedenfalls. Typisch.
Martin konnte nicht helfen wegen seinem Rücken. Die Jungen sind am Samstag sowieso alle anderweitig beschäftigt. Also blieb – logisch – ich. Typisch.
Ich trank meinen Kaffee zügig aus, zog eine alte Jeans an, suchte meine Gartenhandschuhe und überlegte bereits, wo ich bei Rös anfangen würde.
Die Rosen? Die Tomaten? Abgebrochene Äste?
Säcke für das Grünzeug?
Vielleicht noch schnell …
Und noch bevor jemand überhaupt gefragt hatte, stand im Kopf schon der komplette Einsatzplan.
Als ich bei Rös ankam, war vor dem Haus ein kleiner Anhänger.
Im Garten Noah von nebenan.
Er schnitt Äste klein und lud Grünzeug auf.
Rös stand auf der Terrasse.
Mit einer Kaffeetasse.
Sie sah mich an.
Dann meine alten Jeans.
Dann meine Gartenhandschuhe.
Und wieder mich.
„Was machst denn du in diesem Outfit hier?“
Ich blieb stehen.
„Du hast doch geschrieben, dein Garten sieht furchtbar aus.“
„Ja“, sagte Rös.
Sie nahm einen Schluck Kaffee.
„Tut er auch.“
Ich wartete.
Sie offenbar nicht.
„Und?“, fragte ich irgendwann.
Rös sah mich an, als wäre nicht ihr Garten, sondern ich das eigentliche Rätsel.
„Noah räumt das Gröbste weg. Sein Vater hat mir das gestern Abend angeboten. Der junge Herr da hat noch was gutzumachen.“
Dann verzog Rös den Mund.
„Unsere Jungen würden ihre Brut ja nie zu Gartenarbeit verdonnern.“
Ich schaute zu Noah.
Er hob kurz die Hand, zog die Kapuze wieder über den Kopf und widmete sich wieder den Ästen.
Ich winkte zurück. Mit meinen Gartenhandschuhen.
„Aber …“
Mehr fiel mir nicht ein.
Rös hob eine Augenbraue.
„Aber was?“
Ja.
Aber was eigentlich?
Rös hatte geschrieben, dass ihr Garten schlimm aussieht.
Sie hatte nicht geschrieben: Giulia, komm sofort.
Sie hatte nicht geschrieben: Ich brauche dich.
Und schon gar nicht: Du bist zuständig.
Das alles hatte ich ergänzt. Ganz allein.
Rös stellte mir eine Tasse hin.
„Trink einen Kafi, jetzt wo du schon da bist. Schön, ich freue mich!“
Also sass ich kurze Zeit später auf ihrer Terrasse.
Vor uns lag ein ziemlich zerfetzter Garten.
Und neben mir lagen meine völlig unbenutzten Gartenhandschuhe.
Ich musste lachen.
Vielleicht war das die eigentliche Pointe dieses Hagelsturms.
Nicht alles, was nach Arbeit aussieht, ist automatisch meine.
Giulia bringt vegane Ostereili zum Familienbrunch - Foto im Tagebuch

2 Kommentare

  1. Uuhhiii….erkenne ich mich da in Giulia? Da hat mir jemand mal wieder ganz charmant den Spiegel vorgehalten 🤪

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    • Hihi… dann sind wir schon zwei. 😄 Herzlich, Giulia

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